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Dienstag, 07 Sep 2010

Story - Die Hobos

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HobosDie ersten transkontinentalen Zugverbindungen waren nicht nur Angriffsziel der Indianer, sondern auch das Ziel der Hobos.
Die Hobos waren der Kontrapunkt, die Aussteiger aus der Leistungsgesellschaft. Den Zug für ihren Gratistrip bestiegen sie entweder im Bahnhof, oder bei Zugstops an Kohle- und Wassernachladestationen. Wie es zum Namen "Hobo" kam, darüber streiten heute die Sprachforscher: "homo bonus" (guter Mensch) lautet eine Erklärung, oder aber "Hoe Boy" (= Bezeichnung für herumziehende Landarbeiter).
Zu erstem grossen Aufschwung der Hobo - Bewegung kam es während des amerikanischen Bürgerkrieg (1861-65). Da es keine permanente Arbeit gab, reisten viele über weite Strecken, um sich per Gelegenheitsjobs bei der Ernte oder auf Farmen Geld zu verdienen. Das billigste Transportmittel war hier der Gratis- Trip auf Güterzügen. Entweder reiste man auf dem Dach, wo es den besten Rundblick gab, der Hobo allerdings auch gnadenlos dem Zugriff von Kontrolleuren ausgesetzt war. Oder versteckte sich in offenen Waggons bzw. reiste "Unterdeck": im Bereich der 60 cm zwischen Schiene und Waggon-Unterboden; das Sichtgeschützte, aber auch gefährlichste "Abteil" im Zug. Zur Jahrhundertwende gab es in den USA rund 5oo.ooo Hobos. Bei Farmern Hoboswaren sie beliebt als handfeste Arbeitskräfte, die nicht viel rummuckten, sondern anpackten. Weniger beliebt war der Hobo bei den Eisenbahngesellschaften, die bald Kontrolleure einsetzten. Diese machten mit Holzlatten brutale Jagd auf die Hobos und stiessen sie auch von fahrenden Zügen runter. Wie die US-Gewerkschaft IWW berichtet, habe man z.B. 1911 entlang der US-Gleise die Leichen von rund 19.000 toten Hobos aufgelesen, die teils üble Verstümmelungen hatten...
Die Eisenbahngesellschaft "Southern Pacific" soll sogar ihren Kontrolleuren Kopfgeld pro (lebendem) Hobo gezahlt haben. Nicht nur für die Hobos war der Trip gefährlich, auch für die Kontrolleure: manchmal waren sie es, die vom fahrenden Zug fielen.
Der erheblich grössere Teil der Hobos aber überlebte, zumal sie sehr geschickt und mit allen Wassern gewaschen waren, sich vor der "Plage der Kontrolleure" zu schützen. Das Hobo - Leben der Freiheit, Weite und des Abenteuers wurde bald zur Lebensphilosophie. Vielfach hatten sie eine abgeschlossene Berufsausbildung als Handwerker, zogen aber das freie Leben des Herumziehens vor.
Die Hobos waren eine eingeschworene Gemeinschaft, die (allein wegen ihrer harten Lebensbedingungen) eng zusammenhielten. Vor Beginn des Train - Trips wählte sich der Hobo sehr genau den (oder die) Partner für die Reise aus. Schliesslich galt es, unterwegs einige Gefahren mit den Kontrolleuren zu bestehen, und auf seinen Hobopartner musste man sich hier unbedingt verlassen können. Hobos Die Nahrung wurde brüderlich geteilt, ebenso der Alkohol. Manchmal war eine Gitarre im ansonsten kleinen Reisegepäck, der Kontakt mit Wasser zum Waschen dagegen auf die Gelegenheiten beschränkt, wo es der train - ride zuliess. Gesoffen wurde reichlich, und ein typischer Hobo -Spruch lautete: "Wo es Honig gibt, da gibt es die Bienen. Wo es Alkohol gibt, da sind die Hobos."
In den Wintermonaten sammelten sich die Hobos meist in Chicago, wo viele der US-Gleise zusammenliefen und die dortigen Obdachlosen - Asyle dann überfüllt waren. Wer hier kein warmes Quartier fand, fragte bei Kirchen bzw. schlief in Kohlekellern etc. In den Wintermonaten war Chicago das grosse Meeting, wo man Freunde und frühere Reisepartner wiedertraf, Erfahrungen und Erinnerungen austauschte.
Auch die verschiedenen Freudenmädchen hatten dann Hochbetrieb. Schliesslich war das Hobo - Leben während des "Restes des Jahres" (bei allen Vorteilen der Freiheit) weitgehend geprägt von fehlendem sexuellen Kontakt. Eine Einsamkeit, die sich auch in vielen Liedern der Hobos widerspiegelt. Hobos Bei der US-Gesellschaft des Bürgertums war der Hobo unterschiedlich beliebt. Die Farmer brauchten ihn, während anderen Gesellschaftszweigen das "Herumzigeunem" suspekt erschien, zumal der Hobo zwangsläufig nicht immer gut roch, keinen Schlips trug, dafür aber manchmal eine Fahne. Für die Eisenbahngesellschaften waren die Hobos ein Ärgernis, da sie gratis auf Güterzügen reisten statt sich eine Fahrkarte für Personenzüge zu kaufen: Bei der Masse von gut 1/2 Mill. Hobos zur Jahrhundertwende nicht unerhebliche Verdiensteinbussen. Die US - Politiker würdigten die Hobos unterschiedlich, abhängig von der jeweiligen Wirtschafts - und Beschäftigungslage. Der US-Präsident Theodore Roosevelt bezeichnete sie beispielsweise als "Rückgrat der Nation", während US - Präsident W.G. Harding propagierte, sie seien "degenerierte Parasiten".
Zu den berühmtesten Hobos zählen der Schriftsteller Jack London, der 5 Jahre als Hobo und Gelegenheitsarbeiter durch die USA reiste, bevor er (nach anderen Stationen in seinem bewegten Leben) mit seinen Abenteuerromanen zu Reichtum kam, - aber auch der Schauspieler Clark Gable (6 Jahre Hobo), der sich später im Film "Vom Winde verweht" profilierte und nach Erfolg des Zelluloid - Bestsellers von seiner Hobo - Vergangenheit distanzierte, sowie der Country Sänger Woody Guthry (Vater von Arlo Guthry).
Das Ende der Hobos kam in den 3oer Jahren, als viele US - Eisenbahngesellschaften von Dampfloks auf die schnelleren Dieselloks umstellten. Das Aufspringen auf fahrende Züge war nunmehr erheblich erschwert. Eine Reihe von Hobos verunglückte bei dem Vorhaben tödlich, und die meisten anderen Hobos stiegen auf den Lkw um, der erheblich gefahrloser per Daumen gestoppt werden konnte.

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America - Zitat

Amerika - Die Entwicklung von der Barbarei zur Dekadenz ohne Umweg über die Kultur

Georges B. Clemenceau

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